Erste Eindrücke von Jaunty Jackalope

27. April 2009, eViL_oNe

Pünktlich zum Release der neuen 9.04 Ubuntuversion am 23.4 habe ich es auch auf meinem Hauptsystem installiert. Zwei Tage darauf folgte auch mein Mac, der Ubuntu-Updates normalerweise erst nach einem gewissen Schluckauf akzeptiert.

Was gibt es neues?

Es hat sich nicht viel gegenüber der schon soliden 8.10er Version getan. Neu hinzugekommen ist OpenOffice.org 3.0 und Amarok 2.0.

Positives

Das Ganze System wirkt solider und schneller.

Die Bootzeit und auch die Arbeitsgeschwindigkeit sind subjektiv betrachtet deutlich besser gegenüber der letzten Version geworden. Gleichzeitig wurde allerdings die Schwelle, die die CPU veranlasst zur vollen Taktfrequenz überzugehen (sog. up_threshold) von 85 auf 95% erhöht. Ich habe diesen Wert durch Manipulation des ondemand-Startscriptes auf 35 optimiert [1]. Dadurch werden die Startzeiten der Anwendungen wesentlich angenehmer, da hier die CPU in seltensten Fällen richtig ausgelastet ist!

War PulseAudio noch unter 8.10 eine Folter, so scheint das System nun langsam ausgereift zu sein. Ich konnte keine Stabilitätsprobleme feststellen. Mein Mac hat allerdings noch einige Anlaufschwierigkeiten mit Pulse. Ich denke dass diese updatebedingt sind.

Es gibt einige neue grafische Gimmicks. So hat Ubuntu einige neue Standardthemes bekommen (etwa das geniale Dust), schönere UI-Notifications, einen neuen Anmeldebildschirm und Boot Splash. Ebenfalls positiv zu vermerken ist, dass das QT4-GTK-Theme jetzt zur Standardauslieferung gehört. Somit wirken KDE4 oder QT4-Applikationen in GNOME nicht länger wie ein Fremdkörper!

Negativ

Wie bei jedem Versionssprung gibt es auch hier wieder einige kleinere Regressionen.

Negativ ist mir aufgefallen, dass es Performanceprobleme mit nvidia und compiz gibt. Erst mit dem Ausschalten des direct rendering konnte ich compiz zu einer akzeptablen Geschwindigkeit motivieren. Ich spiele allerdings noch mit einigen xorg-Schaltern rum. Vielleicht wurde einfach nur eine Default-Eigenschaft geändert ;) . Negativ im indirect rendering mode fällt auf, dass vsync in compiz nicht funktioniert!

Die 2.0er Version von Amarok hat noch einige kleinere Kinderkrankheiten.

Ich schaffe es regelmäßig, dass die Playlist unsichtbar wird, wenn man Amarok in die Tray verkleinert. Ausserdem scheint die Anzeige der gerade gespielten Tracks im Zusammenspiel mit dem Internet-Service last.fm nicht immer hundertprozentig zu funktionieren. Die Soundwiedergabe funktionierte erstmal nicht, da Amarok standardmäßig Xine benötigt, dieses aber nicht automatisch mitinstalliert wurde. Abhilfe schafft die Umstellung des Phonon-Backends auf GStreamer (unter Multimedia in den systemsettings von KDE4) oder die Installation von phonon-backend-xine.

Nicht so gut finde ich, dass einige Features aus der 1.4.x-Version noch nicht in 2.0 angekommen sind. Ich bin jedenfalls auf die 2.1 gespannt. Amarok 2.0 macht einen guten Eindruck und wird sicherlich die Qualität der 1.4 bald erreichen! Für Leute, die nicht bereit sind, auf diese Qualität zu verzichten, bietet sich ein Downgrade auf 1.4.x an [2]. Ich werde es erstmal nicht machen ;)

Meine Fernbedienung auf dem Mac funktioniert nicht richtig. Das ist aber nichts Ungewöhnliches, ließ sie sich in den letzten 3 Versionen ebenfalls nur mit vielen Streicheleinheiten zum Arbeiten motivieren ;) . Ich habe jedenfalls meine verstaubte Audigy4-Fernbedienung an den Mac verlagert. Diese funktioniert zuverlässig und bietet ohnehin mehr Knöpfe und damit mehr Flexibilität.

Fazit

Alles im allen ist 9.04 eine Version, die ich trotz einiger kleinerer Schwächen uneingeschränkt empfehlen kann!

Zum Abschluss noch einige Screenshots. Als Theme verwende ich step into freedom aus dem ZgegBlog. Das Hintergrundbild habe ich von pixel ellipsis

Erster Eindruck Desktop Cube in gewohnter QualitätAmarok2 Rockz!So gefällt mir Windows ;)

[1]: OnDemand Modus der CPU agressiver einstellen [2]: Amarok 1.4.x in Jaunty verwenden

Warum Microsoft gut für Open Source ist

20. März 2009, eViL_oNe

Hallo zusammen,

im Folgenden versuche ich die o.g. kontroverse These stichhaltig zu verargumentieren. Viele mystifizieren Microsoft als das Reich des Bösen. Diese Meinung ist leicht zu vertreten, schadet ja Microsoft der gesamten IT durch ihre Verletzung von Standards, Abhängigkeit von einer Firma, teuren Lizenzen, Ausgrenzung von Wettbewerben, kurz alles was man sich unter einem Monopol vorstellt. Was aber gerne vergessen wird, dass Microsoft keineswegs dies aus böser Absicht tut, sondern alleine zum Zwecke der Gewinnmaximierung. Das Handeln von Microsoft mag für den Betrachter zweifelhaft sein, moralisch verwerflich oder gar böse ist es aber nicht.

Ich bin sogar der Ansicht, dass ohne Microsoft die Open Source Entwicklung niemals den Erfolg hätte, der bereits jetzt greifbar ist bzw. in den nächsten Jahren sich manifestieren wird. Ich hoffe auch, dass Microsoft auch in der Zukunft den Stellenwert haben wird, den sie heute haben, da ich davon diesen Erfolg abhängend sehe!

PS: dennoch habe ich nicht vor, jemals bei Microsoft zu arbeiten — aber eher weil ich es für stinklangweilig und nicht als zukunftsorientiert genug erachte ;)

Negatives Beispiel

Viele Open Source Projekte haben nur das Ziel, eine Alternative zu einem Microsoftprodukt zu entwickeln, um die schon o.g. Nachteile zu beseitigen. Ohne Microsoft als Stein des Anstoßes wären sicherlich weder Linux, Firefox noch OpenOffice — und damit wohl die beliebtesten Open Source Programme — in ihrer heutigen Form denkbar!

Auch Anwender werden durch diverse Unzulänglichkeiten in Microsoftprodukten dazu motiviert, sich mit Alternativen zu beschäftigen. Würden IE, MS Office, WMP, Windows und Co die perfekten eierlegenden Wollmilchsäue zu einem lächerlichen Preis sein, würden sich nur Kellerkinder, Weltverbesserer und Exzentriker damit aufhalten nach Alternativen zu suchen!

Interoperabilität

Microsoft ist zu einer Zeit groß geworden, in dem eine Trennung von Daten und Programm faktisch nicht existiert hat. Um Dateien vom Format X zu lesen, brauchte man zwingend das Programm X. Zwar existierten auch schon damals Importwerkzeuge, diese konnten aber bestenfalls den Inhalt halbwegs von Programm X zu Y hinüberretten, diverse Zusatzfeatures (wie z.B. besondere Formattierungen) gingen verloren. Dateiformate wurden als Firmengeheimnis angesehen. Es war gar nicht erstrebenswert, dass ein Wordperfect-Benutzer zu einer Alternative wechselt. Wieso sollte man ihm dabei helfen, in dem man Dateiformate offenlegt?

Microsoft hat es verstanden, ihre Produktpalette so vielschichtig zu gestalten und miteinander zu verknüpfen, dass man für jeden Anwendungsfall eine Microsoftsoftware nutzen konnte. Außerdem war ihre Software damals gut genug, um von Anwendern akzeptiert zu werden. Mit dieser Software konnten Anwender endlich sicherstellen, ihre Dokumente überall zu bearbeiten und verteilen. Alle negative Aspekte des daraus entstandenen Softwaremonopols ausgeklammert hat Microsoft deswegen zwei Erkenntnissen den Weg bereitet: Zum einen dass es wichtig ist, dass Dateiformate über die Grenzen des eigenen Rechners verwendet werden können. Zum anderen dass proprietäre Dateiformate ihre Nachteile haben und der ersten Erkenntnis nicht stets dienlich sind.

ODF wäre niemals entstanden, wenn nicht die halbe Welt .doc-Dateien mit teils sicherheitskritischen versteckten Informationen verwendet hätte, deren internes Eigenleben wohl nicht einmal Microsoft mehr richtig erklären kann — geschweige denn deren Interoperabilität zwischen unterschiedliche MS Word Versionen garantieren! Bevor Microsoft aktiv in den Browserkrieg eingestiegen ist, hat sich in der HTML-Standardisierung wenig praxisrelevantes getan (Erinnert sich jemand noch an HTML 3.0?). Erst die Bemühungen von Netscape und Microsoft, den Standard nach ihren Vorlieben (und natürlich abweichend voneinander) aufzuweichen und damit verbundenen Inkompatibilitäten haben dem W3C den Stellenwert gegeben, den es heute hat!

Heute versuchen Hersteller, Programme aufgrund von ihren Features zu positionieren, und nicht wegen deren proprietären Dateiformaten. Natürlich versucht Microsoft weiterhin den vendor-lock-in ihrer Software aufrecht zu erhalten und wirkt damit innovationshemmend. Auch werden von Microsoft weltfremde “Standarts” (sic!) ins Leben gerufen, die wohl niemand außer Microsoft Ziel wirklich braucht. Aber wer will ihnen vorwerfen, dass sie über Jahre Bewährtes weiterhin anwenden wollen? Letztendlich geben sie damit der Interoperabilität von Formaten nur einen Auftrieb, da sich viele Anwender aus dieser Abhängigkeit befreien wollen. Dass Microsoft in vielen Bereichen (etwa bei .NET) von den althergebrachten Taktiken weggeht und hin zu offenen Standards sich öffnet ist natürlich aber auch zu begrüßen ;) .

Verdrängungswettbewerb

Natürlich gibt es sie, die selbstlosen Verfechter der Open Source, und ihnen gebührt auch meine Hochachtung. Aber die wenigsten Menschen arbeiten an Open Source aus reiner Nächstenliebe. Selbst wenn das Ziel “nur” Anerkennung oder die Perfektionierung einer bestimmten Applikation ist, so ist oftmals die Motivation des Vorantreibens von Open Source in erster Linie ichbezogen.

Was für Privatpersonen gilt, gilt im erhöhten Maße natürlich für Betriebe mit kommerziellen Interessen. Weder Sun, IBM, Apple, Nokia und Konsorten agieren im Open Source Bereich zum Zwecke der Weltverbesserung1! Die meisten von ihnen haben ohnehin über Jahre hinweg die gleichen Taktiken wie Microsoft praktiziert, sind also keineswegs moralisch besser einzuschätzen! Diese Firmen haben einfach nur erkannt, dass es ihren eigenen Kerninteressen hilft, Open Source zu unterstützen. Gründe dafür sind vielschichtig.

Ein wichtiger kann sein, dass man sich der verfügbaren Entwicklungskapazitäten und der Dynamik des Open Source bedient. Ein anderer wäre das Ködern von Kunden mit kostenlosen Basissystemen, um ihnen die teuren Premiumdienste besser verkaufen kann.

Ein nicht zu verachtender Grund könnte ebenfalls sein, dass Microsoft es über Jahre verstanden hat, unliebsame Konkurrenten durch teils zweifelhafte Methoden zu verdrängen oder aufzukaufen. Mit Open Source funktioniert das nicht so richtig. Microsoft tut sich schwer, eine geeignete Strategie gegen Open Source zu finden. Der neue Feind von Microsoft hat keine definierten Ausmaße, gegen den man mit Verdrängung oder Aufkauf vorgehen könnte. Er ist diffus, unberechenbar und verfügt über Kapazitäten, von denen selbst Microsoft nur träumen kann.

Diese de facto Allianz von Privatpersonen, Projekten und Firmen hat mit Microsoft ein gemeinsames fest umzureißendes Feindbild, gegen das man gemeinsam vorgehen kann. Nur so ist es möglich, dass konkurrierende Firmen wie Novell oder Sun sich nicht gegenseitig bekämpfen sondern mit Non-Profit-Organisationen wie Debian oder Apache an einer gemeinsamen IdeeTM arbeiten. Wieso sollten sie auch anders vorgehen? Microsoft kann man langfristig mehr Marktanteile rauben. Wieso sich gegenseitig durch einen fruchtlosen Konkurrenzkampf schwächen?

Der Anwender profitiert von dieser Zweckgemeinschaft, in dem er immer schneller immer bessere Alternativen zu Microsoftprodukten erhält. Würde das gemeinsame Feindbild verschwinden (etwa durch einen Konkurs von Microsoft oder deren Schrumpfung auf ein normales Maß eines Softwareherstellers), so gäbe es diese Allianz und damit auch keine in dem Ausmaß betriebene Open Source Entwicklung mehr!

In diesem Sinne, weiterhin so Microsoft! Auf dass du uns noch viele Jahre treu in gewohnter Manier als größter indirekter und direkter Förderer des Open Source erhalten bleibst!

Evil, der diesen Artikel alleinig mit Open Source formuliert, wohl bewusst dass auch dieser Akt zum reinen Eigennutz dient ;)


1: Sollte dies tatsächlich jemand abstreiten, so sei ihm/ihr ein Intensivkurs in Sachen Realität angeraten oder die Widmung mit einer anderen Existenzform als das Leben :) . Mir sind keine in der Praxis erfolgreich weitreichend umgesetzten Formen des Idealismus geläufig ;)

Warum Open Source überlegen ist

4. Juli 2008, eViL_oNe

An dieser Stelle möchte ich kurz zusammenfassen, weshalb meiner Ansicht nach über kurz oder lang Closed Source Software (CSS) für Standardsoftware den kürzeren ziehen wird. Dieser Beitrag soll weder bestimmte Firmen noch das Modell CSS verteufeln (nicht zuletzt arbeite ich auch an einer CSS für Steuerberater). Ich meine allerdings, dass das Modell Open Source Software (OSS) für den Massenmarkt Vorteile bietet und deswegen langfristig gewinnen wird.

Open Source ist auch kostenlos verfügbar

OSS kriegt man üblicherweise kostenlos im Internet. Das ist für Privatanwender ein unschlagbares Argument, das auch über die eine oder andere Schwäche oder fehlendes Feature hinwegsehen lässt. Einschränkungen sind meist besser vertretbar als die Anschaffung von teuren CSS-Produkten! Was für reiche Anwender in Industrieländern gilt, gilt noch verstärkt für Entwicklungsländer. Hier ist OSS oft neben der Piraterie die einzige Alternative — und zudem die legale!

Für Firmen ist es auch von Belang, dass man keinen lizenzrechtlichen Overhead für die Nutzung solcher Software betreiben muss. Jeder Mitarbeiter kann sich die Software installieren ohne dass die Firma Lizenzprobleme befürchten muss. Problematisch wird es freilich beim Einbau von OSS in CSS-Programme. Hier sollte man sich am besten an die jeweilige Rechtsabteilung wenden, denn nicht immer sind die Lizenzmodelle kompatibel!

Einen Nachteil muss man bei dem Ganzen jedoch hinnehmen: umsonst ist nix, so kommt die Software ohne jegliche Garantie und ohne zugesichterten Support. Für sehr ambitionierte Anwender (meist im kommerziellen Bereich) existieren natürlich auch Zusatzangebote wie Supportverträge gegen Entgelt. Wenn man sich ausserdem die EULAs von Closed Source wirklich genau anschaut, dann weiss man auch, welche Garantieansprüche man prinzipiell hat — nämlich gar keine ;)

Open Source ist professionell

Vorbei sind die Zeiten, wo Open Source Produkte von fettleibigen Nerds in dunklen Kellern entwickelt wurden und wie Kraut und Rüben aussahen. Es existieren Design-Guidelines wie die von GNOME oder KDE für professionell normierte Oberflächen. Projektmanagement, PLanung, QS, Bugtracking sind selbstverständlich, feste Releasezyklen (etwa alle 6 Monate bei Ubuntu) schon lange keine Seltenheit — davon könnte sich auch die eine oder andere Closed Source Schmiede ein Stück abschneiden! Nicht umsonst nehmen auch große kommerzielle IT-Firmen wie HP, IBM, Novell, Apple, Sun und Konsorten einen wichtigen Platz in der OSS-Entwicklung ein.

Die meisten wichtigen OSS-Produkte haben auch schon seit geraumer Zeit die Kinderstube verlassen und können durchaus mit ihren Pendants aus der CSS-Welt mithalten. Sei es das Grafikprogramm GIMP, die Desktopoberfläche GNOME, die Entwicklungsumgebung Eclipse, der Musik Player Amarok, die Bürosuite OpenOffice.org, der PIM Evolution, die Datenbank PostgreSQL, der Browser Firefox: diese und viele weitere ausgewachsenenProgramme sind in den meisten Belangen ihren CSS Kollegen ebenbürtig, oft sogar überlegen!

Open Source ist engagierter

Ein typischer OSS-Entwickler ist jemand, der mit keinem Programm für einen bestimmten Arbeitsschritt so richtig zufrieden war und deswegen sein eigenes schrieb. Oder der Anwender, der über das Ausmerzen von Fehlern oder Support in einem OSS-Programm zum Mitentwickler wurde. “eat your own food” heißt hier das Motto, oft auch in CSS propagiert, aber selten so aktiv gelebt wie bei OSS. Natürlich gibt es auch andere Motivationen, an Open Source zu arbeiten — nicht wenige haben Open Source Entwicklung als Beruf. Ein wichtiger Grund bleibt aber der Wunsch nach Perfektionierung der Lieblingssoftware.

Open Source hat die meisten Entwicklungskapazitäten

Jeder Anwender von OSS ist ein potenzieller Entwickler. Auch wenn sicherlich nur die wenigsten Anwender über die Qualifikation verfügen mitzuentwickeln, so ist ein kleiner Prozentsatz dabei, der früher oder später in der Entwicklung landet — sei es beim Support, Qualitätssicherung, Konzeptionierung, Projektmanagement, Coding etc. Durch höhere Kapazitäten steigt auch der Qualitätsstandard, der damit noch mehr Anwender und potenzielle Entwickler anlockt. Ab einer gewissen kritischen Masse an Anwendern sozusagen ein perpetuum mobile.

Open Source ist sicher

Natürlich hat jede Software, die komplexer als ein “Hello World” ist, Schwachstellen. Während im CSS-Bereich aber viele Fehler aus unterschiedlichsten Gründen vertuscht und verharmlost werden, so ist dies bei OSS seltenst möglich. Jeder kann sich schließlich den Quellcode anschauen und mögliche Schwachstellen aufdecken. Viele Augen sehen mehr Fehler als wenige, so werden Fehler in OSS meist schneller entdeckt, analysiert und behoben. “Security by obscurity” ist in OSS unbekanntes Terrain!

Durch hoch qualitative OSS-Paketverwaltungen wie apt werden Updates zudem automatisch zugänglich gemacht, während sich so mancher CSS-Anwender mit manuellen Installationen von Bugfixes rumplagen darf. Auch ist mir kein OSS-Programm bekannt, bei dem es einen “Patch-Day” gibt: eine Unsitte die immer mehr CSS-Produzenten einführen. Je kritischer ein Fehler, desto schneller wird er auch behoben — statt aufgeschoben!

OSS lässt sich unter die Haube schauen. Trojaner, Malware, Rootkits, “nach Hause telefonieren” sind typischerweise Dinge, die CSS vorbehalten sind. OSS ist demnach vertrauenswürdiger als CSS-Programme. Letztere stellen schließlich normalerweise eine Black Box dar, von der man nie sicher sein kann, was sie denn wirklich macht.

Open Source hat Zukunft

Wie oft ist es schon vorgekommen, dass Unternehmen auf eine Software setzen, die dann eingestellt oder nur noch sehr schleppend weiterentwickelt wird? Bei OSS kann dies natürlich auch vorkommen. Allerdings ist hier die Chance größer, dass sich jemand anderes der Software annimmt und sie stattdessen pflegt. Ab einer gewissen kritischen Masse sterben OSS-Projekte auch nicht mehr, auch wenn viele Entwickler das Interesse verlieren: es ist immer jemand da, der weitermachen kann und will.

Ganze Firmen können sich darauf spezialisieren, gegen Entgelt bestimmte Anpassungen und Erweiterungen an OSS-Produkten vorzunehmen und dabei an der Wertschöpfungskette teilzuhaben. Knebelverträge mit dem Hersteller der Software wie oft bei CSS der Fall sind hier genauso wenig nötig wie teure Lizenzgebühren für die Einsichtsnahme und Nutzung von Schnittstellen. Arbeitsplätze werden durch OSS geschaffen statt behindert!

Man darf gespannt sein, wie sich OSS in den nächsten Jahren weiterentwickelt. In jedem Fall wird der Zeitpunkt kommen, wo eine CSS auf einem Standard-PC die Ausnahme und nicht die Regel darstellt — sicherlich früher, als so manch einer es sich vorstellt!

Upgrade auf Hardy Heron

4. Mai 2008, eViL_oNe

Am 22-23.4 habe ich meine zwei Rechner auf Ubuntu 8.04 aktualisiert. Hier mal eine kleine Zusammenfassung der Erfahrungen, sowohl positiv wie auch negativ. Über die Plattform wurde schon an anderen Stellen ausgiebig berichtet, etwa hier. Ich möchte mich auf meine persönlichen Erlebnisse beschränken und nicht jede Neuerung nachplappern.

The good

man könnte sagen, dass Hardy Heron die Neuerungen, die mit Gutsy gekommen sind, stabilisiert hat. Die Desktop-Suche war vor Hardy etwa noch instabil. Immer wieder verabschiedete sich der Indexdienst trackerd unmotiviert. Die Suche hat dann entweder keine oder veraltete Ergebnisse angezeigt. Erst ein killall trackerd hat da temporär geholfen. Auch der 3d-Fenstermanager Compiz wurde etwas verfeinert. Von der Stabilität kann ich keine Änderungen zu Gutsy feststellen, da schon dort die Software absolut zuverlässig lief. Wer aber den compiz-config-settings-manager einsetzt, wird begrüßen, dass die Konfiguration jetzt weniger technisch ist. So wurden die Konfigurationsseiten für Shortcuts deutlich überarbeitet und sind jetzt intuitiver.

Compiz Konfiguration

die Compiz Konfiguration begrüßt den User wie gewohnt mit einer intuitiven wenn auch nur halb übersetzten Oberfläche. Einige neue Plugins sind dazugekommen, etwa 3D-Fenster.

Positiv ist auch, dass mit dem aktualisierten OpenOffice.org 2.4 sich dieses besser in den GNOME-Desktop integriert. In Gutsy schaute es noch eher nach einem Fremdkörper aus. Wer Lust auf Spieltrieb hat, kann openoffice.org-ogltrans installieren, 3D-Überblendeffekte für Impress. Vielleicht kann man dann damit bei einer Präsentation doch noch punkten, wenn schon der Inhalt nicht so toll ist ;) ;) ;) .

Ebenfalls eine Verbesserung stellt auch die neue Version des Webbrowsers Firefox 3 Beta dar. Die Software ist ebenfalls besser integriert, ein bißchen schneller und hat einige kleinere Verfeinerungen zu bieten, etwa einen schöneren Downloadmanager und bessere Historyfunktion in der Adressleiste.

Firefox Downloadmanager

Desweiteren sind einige neue Programme da, etwa die Brennsuite Brasero und der Torrent-Downloadmanager Transmission. Diese Programme konnte man natürlich auch schon in Gutsy installieren, nun kommen sie von Haus aus mit.

Äußerst positiv überrascht war ich dass jetzt auch auf meinem Mac mini supspend to ram korrekt funktioniert (Ubuntu nennt diesen Modus Bereitschaft). In Gutsy stürzte der Rechner beim Aufwachen 100% reproduzierbar ab. Subjektiv wirkt der Hardy-Desktop etwas flotter als Gutsy.

The bad

An einigen Stellen wirkt der Programmumfang noch etwas fragwürdig. So fehlt etwa ein Konfigurationstool für das neue Soundsystem PulseAudio. Damit kriegt der Benutzer eine Software, die er nicht vernünftig out of the box konfigurieren kann. Auch wird das Programm für die Verwaltung der “Gemeinsamen Ordner” nicht mehr standardmäßig eingebunden. Es lässt sich aber weiterhin manuell mit dem Kommando shares-admin aufrufen

The ugly

Leider sind nicht alle Neuerungen positiv. Ubuntu hat einige neue Systeme, die vielleicht noch nicht 100% konsolidiert sind, schon jetzt in die Distribution eingebunden, da Hardy eine Version ist, die immerhin 3 Jahre auf dem Desktop und 5 Jahre auf dem Server Support verspricht. Damit hat man der Aktualität vor der Stabilität ein kleines bißchen den Vorzug gelassen.

Es ist noch relativ leicht zu verschmerzen, dass Firefox 3 offenbar bei dem neuen Phishing Feature etwas exzessiv mit CPU und Festplatte umgeht. Auch konnte ich auf meinem Mac mini meine Apple Fernbedienung, die unter Gutsy vom Anfang an lief, erst mit einem kleinen Workaround wieder zum Laufen animieren.

Diese kleinen Regressionen sind aber noch relativ leicht zu verschmerzen. Wesentlich härter trifft der mit Hardy gekommene Umstieg auf PulseAudio Linux-Gamer. Im Internet häufen sich die Klagen, dass Hardy nicht auf Anhieb Sound SDL-basierten Spielen entlockt. Ich hatte diese Probleme auch und habe sie erst nach langer Recherche lösen können, indem ich ESD anstatt ALSA für SDL-Programme als Soundausgabe konfiguriert habe: Beschreibung meiner Lösung, da stehen auch einige andere Alternativen. Ich halte diese Regression schon für bedeutender, da damit der eine oder andere neue Anwender mit Fokus auf Spielen frustriert aufgibt.

Fazit

Alles in allem kann ich für Forgeschrittene das Upgrade in jedem Fall empfehlen! Anfänger sollten sich nicht von den aufgezählten Problemen einschüchtern lassen! Sofern man wirklich über so etwas stolpert, kann man dank der hervorragenden Community mit sehr wenig Aufwand eine Lösung des Problems finden. Es spricht schon für ein System, dass die meisten Schwächen binnen kürzester Zeit analysiert und umgangen — wenn nicht behoben — werden. Versucht mal so was mit MS Windows!

Vista Desktop

3. Mai 2008, eViL_oNe

sodele,

ich dachte, ich frische diese Seite mal ein bißchen auf.

Vista in Aktion

Vor einigen Wochen habe ich mein Windows XP als Zweitsystem durch Vista Business ersetzt. Von der Usability muss ich zugeben, dass es im Vergleich zu XP doch verbessert wurde. Die Oberfläche ist zwar ungewohnt, das soll allerdings kein Grund zum Punkteabzug sein, denn daran kann man sich ja gewöhnen. Leider ist Vista bei weitem nicht so intuitiv wie etwa mein Gnome-Desktop oder OSX. Die Frage der Intuitivität mag aber was Subjektives sein, ja.

Die Installation von Vista wurde erleichtert, ausserdem legt Vista jetzt nicht per Default Benutzeraccounts ohne Passwort an. Wie in anderen modernen Betriebssystemen wird der Standardbenutzer mit Administratorrechten versehen. Wo jedoch etwa OSX und Ubuntu für alle administrativen Aufgaben eine Passwortaufforderung einblenden, begnügt sich Vista mit Nagscreens. Das neue Feature wurde Benutzerkontenverwaltung getauft. Der erste Wunsch eines jeden Vista Users scheint es zu sein, dieses nervige Dingens, das bei jeder Gelegenheit nachfragt ob man sich wirklich ganz, ganz sicher ist, abzuschalten:

Google Suche nach Benutzerkontenverwaltung

Mit abgeschalteter Benutzerkontenverwaltung ist freilich Vista im Standardfall ungefähr genauso sicher wie XP, da nun jede beliebige Software mit Administratorrechten läuft und beliebigen Schabernack am Rechner anstellen darf. Es empfiehlt sich daher, dem Benutzer Administratorrechte zu nehmen und einen separaten root-Account anzulegen.

Positiv ist zu vermerken dass Vista im Gegensatz zu XP fast out of the box mit meiner Hardware umgehen kann. Wo man in XP noch Grafikkarte, Mainboard, Sound mühsam manuell installieren musste, erledigt Vista dies fast automatisch. Die Gerätedatenbank wurde deutlich erweitert, so dass die meiste Hardware sofort funktioniert. Für andere Fälle bietet Vista an, fehlende Treiber aus dem Internet automatisch nachzuinstallieren. Das war bei mir etwa bei Sound notwendig.

Moderne zentralisierte Softwareinstallationen und -updates ala apt oder emerge unterstützt Vista nicht. Das Microsoft-eigene Windows Update aktualisiert nur Microsoft-Software. Bei Fremdsoftware ist man darauf angewiesen, dass der Hersteller ein vernünftiges autoupdate implementiert hat. Einige Programme machen dies, etwa Firefox und Antivir, das Groß der Software unterstützt so etwas allerdings nicht. Schade eigentlich, schützen doch Autoupdates effektiv gegen Sicherheitslücken.

Das vorhandene Softwareangebot ist weiterhin recht spartanisch. Gefallen kann einem die neue Fotoverwaltung. Auch der Internet Explorer 7 hat ein bisschen zu Firefox aufgeschlossen. Ein Bürosoftwarepaket ist weiterhin nicht dabei — Microsoft will offenbar weiterhin Geld für sein MS Office verdienen ;) . Kenner greifen da lieber zu OpenOffice.org, was das gleiche kann und nichts kostet.

Negativ fällt auf, dass Vista mit Service Pack 1 c.a. 11 GB (Business Edition, x86-Variante) verbraucht. Die Swapdatei pagefile.sys und die Suspend-to-Disk-Datei hiberfil.sys nicht einberechnet!!! Da das Softwareangebot nicht besonders groß ist, darf gemunkelt werden, wofür MS soviel Platz verbraucht. Ich tippe auf DRM ;) . Für PCs mit wenig Festplattenspeicher scheidet Vista jedenfalls aus.

Anfangs hatte Vista bei mir Probleme, sich mit meinem Router vernünftig zu verbinden. Erst nach einer manuellen Änderung der IP-Adresse, DNS-Server, Standardgateway hatte ich Vista überredet ins Internet zu gehen. Nach dem Wiedereinstellen der automatischen Konfiguration ging es weiterhin. Da MS diese Konfigurationstools im Vergleich zu XP besser versteckt hat, könnten derartige Probleme Anfänger überfordern. Das Systemkommando ipconfig /renew war mir jedenfalls keine ausreichende Hilfe :(

Leider konnte ich Vista nicht auf einer schwächeren Plattform testen, da meine beiden Rechner doch zu neu sind. Viel RAM ist auf jedenfall Pflicht, Vista verbraucht schon locker nach dem Boot 500 MB. Mit 2 GB konnte ich allerdings keine Performanceunterschiede zu XP feststellen.

Microsoft hat anfangs Vista mit einem “Wow” beworben. Ein richtiger Wow-Effekt konnte sich bei mir allerdings nicht einstellen. Zum einen bieten die neuen 3D-Effekte des Vista-Fenstermanagers Aero zu wenig optisches Eyecandy im Vergleich zu Compiz, zum anderen sind auch nur wenige produktive Gimmicks eingebaut. OSX oder Linux mit Compiz bieten hier etwa ein Tool an, alle Fenster nebeneinander zu skalieren (Expo bzw Scale). Der Cube von Compiz dürfte ausserdem den einen oder anderen Vista-Jünger vor Neid erblassen lassen. Andererseits kann man mit Compiz sämtliche Aero-Effekte nachstellen. Gut gefallen hat mir hingegen die Vista-Sidebar. Schade nur, dass es nicht möglich zu sein scheint, deren Größe anzupassen. Auf meinem 22-Zoll TFT sieht sie jedenfalls zu klein aus, auch die in der Sidebar angedockten Widgets wirken zu klein.

Compiz mit 3d Cube unter Ubuntu

Compiz Scale

Alles in allem ist Vista ein solides System, das allerdings nicht an andere moderne Betriebssysteme wie Ubuntu oder OSX herankommt. Der Preis für eine Vista Lizenz erscheint mir wegen dem gebotenen zu hoch — v.a. weil man Ähnliches — wenn nicht Besseres — auch billiger bis umsonst bekommen kann.

Morgen folgt dann eine Zusammenfassung von Ubuntu 8.04 aka Hardy Heron!

Auszeichnung für Diplomarbeit

18. Dezember 2006, eViL_oNe

Lieber spät als nie — als besondere Honorierung wurde mir heute für meine durchaus brauchbare Diplomarbeit der Förderpreis des Arbeitskreises für Softwarequalität und -Fortbildung verliehen.

Urkunde

WordPress Upgrade

18. Dezember 2006, eViL_oNe

wenn das angezeigt wird, heisst es, dass mein Upgrade auf die aktuelle Worpress-Version erfolgreich war. Ich habe es etwas hinausgezögert, aber nachdem bereits mein Provider mich ermahnt hat, dass meine bisherige Version paar Sicherheitslücken hat, habe ich den Schritt doch gewagt. Ändern sollte sich allerdings (hoffentlich) nix!

Ein etwas anderes Wallpaper

13. November 2006, eViL_oNe

Nachdem Photoshop und Konsorten trotz allem eher langweilig sind, beschloss ich lieber zu Bleistift, Farbe und Pinsel zu greifen und stattdessen sozusagen ein Real Life Wallpaper auf die Wand zu zaubern. Ein Motiv war schnell gefunden: mitten im Intro einer genialen Anime Serie werden die Titelcharaktere im Stil der Gemälde von Gustav Klimt dargestellt.

Ausgesucht wurde von mir dieses Motiv, welches dann in einer Größe von ca 150 x 110 cm auf die Wand übertragen wurde:

Vorlage fürs Gemälde

Zuerst habe ich das ausgedruckte A4-Bild mit Bleistift und einem Hilfsraster im Maßstab von 7:1 auf die Wand gezeichnet und habe anschließend 3 Acrylfarben (Rot, Gelb, Schwarz) sowie weiße Wandfarbe zu netten Farbkombinationen verbunden und mit unterschiedlichen Pinselstärken und oftmals zittrigen Händen (versucht doch mal, einen Haar-Pinsel hochkonzentriert über lange Abschnitte gerade zu halten g) auf die Wand übertragen.

In dem Werk stecken ca. 40 h Arbeit, von denen der größte Teil innerhalb eines 1-Wochenurlaubs abgeleistet wurde. Der Rest entstand im Feierabend und führte zu 3 recht kurzen Nächten. Das Resultat rechtfertigt allerdings den hohen Aufwand!

Nachfolgend der Preview des Bildes, die vollständige Version ist in dem Album anzusehen ;)

Endgültige Version

09.11.06 22:59 -- Finale Version

Verlauf als Bildergalerie

01.11.06 20:06 Blanke Wand01.11.06 21:52 -- Aller Anfang ist schwer01.11.06 22:54 -- ... erste Konturen sind erkennbar02.11.06 00:05 -- noch viel zu tun02.11.06 11:01 -- Kopflos
02.11.06 13:41 -- Kopf gezeichnet02.11.06 15:34 -- Zeichnen abgeschlossen03.11.06 17:31 -- Misslungener Malanlauf03.11.06 21:16 -- So siehts schon viel besser aus04.11.06 14:34 -- Der zweite Maltag
06.11.06 01:20 -- Haare, erster Wurf06.11.06 23:07 -- Haare abgeschlossen07.11.06 02:12 -- Hautkonturen09.11.06 00:44 -- Malen komplettiert09.11.06 22:59 -- Finale Version
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Mauspad

25. September 2006, eViL_oNe

Auch wenn doch eher sinnfrei — ein optisch ansprechendes Mauspad macht doch einiges her — insbesondere noch, wenn es umsonst ist (danke an eine nicht näher zu nennende freundliche Abteilung eines Nürnberger Softwarehauses):

Dem Evil sein Mauspad ;-)

Urlaub vorbei…

11. September 2006, eViL_oNe

… und der Ernst des Lebens fängt wieder an — d.h. erst nächste Woche, weil ich paar Tage lang dekadent Bierchen trinke und meine Family aus PL unterhalten darf, während meine Eltern den Urlaub im “Feindesland” verbringen ;) . Wie auch immer, hier einige sinnlose Bilder von 7 Tagen Malle.

PS: Für Sehstörungen infolge des Bildkonsums wird keine Haftung übernommen!!!

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