Archiv für November, 2005

Kopierschutz mit Rootkit-Funktionen

Dienstag, 1. November 2005, eViL_oNe

Bislang fuhr die Musikindustrie ein nettes Konzept aus Desinformationen1 und rechtlichen Schritten, um ihren schwindenden Marktanteil in der Konsumgesellschaft zu verbessern. Dass neben P2P-Software und einschlägigen, illegalen Quellen auch andere Faktoren bei den schwindenden Musikverkäufen eine Rolle spielen, sei hier mal nur am Rande erwähnt…

Viel wichtiger: SonyBMG experimentiert offenbar bereits mit neuen Methoden der Kundengängelung. Wie soeben von mir gelesen, befinden sich in den USA seit März CDs von SonyBMG im Umlauf, die neben einer CD-Player-Software für den PC auch eine Software installieren, die die Aspekte von Spyware erfüllt:

  • die Software wird ohne Einverständnis des Benutzers installiert
  • die Software klinkt sich ins System ein, verursacht dauerhafte Performance-Verluste und lässt sich nicht regulär deinstallieren
  • die Software versteckt sich vor dem Benutzer und erlaubt Schädlingen wie Viren, dieses System für ihre Zwecke zu missbrauchen

Meine Meinung:

hiermit schießt SonyBMG den Vogel ab. Es wird eindeutig Computersabotage (§ 303 StGB) verübt — ich kenne zwar die rechtliche Situation in den Vereinigten Staaten dazu nicht, nehme aber an, dass es dort ähnlich wie in Deutschland verfahren wird, zumal der Verbraucherschutz in den USA eine wesentlich höhere Stellung hat.

Desweiteren kann ich nur jedem empfehlen, einen großen Bogen um Firmen zu machen, die mit derartigen Methoden ihre Kunden gängeln und deren Systeme in ein Sicherheitsrisiko umwandeln. Ich für meinen Teil tue das schon seit Jahren: Ich kaufe mir häufig Alben, jedoch keine, die mit einem Kopierschutz versehen sind. Als angenehmer Effekt ergibt sich für mich, dass die Alben sich auch problemlos auf meinem iRiver H120 MP3-Player laden und anhören lassen ;) .

Auch offenbart dieser Vorfall, was dem Benutzer zugemutet wird, sollten sich DRM und TCG auf die Dauer etablieren: der Benutzer wird beim Medienkonsum nicht mehr gefragt; stattdessen werden Systeme auf dem Rechner des Benutzers — ohne dessen Zustimmung — eingerichtet, die die Medienindustrie vor “schadhaftem Verhalten” ihres Kunden (z.B. der Anlage von Privatkopien) bewahren sollen. Deswegen sei an dieser Stelle jeder davor gewarnt. Wie schon mein alter Lateinlehrer zu sagen pflegte:

“Principiis obsta!” (deutsch: Wehret den Anfängen)

Quellen:

Update:

(ich weiss, leicht verspätet — dies hier ist allerdings kein News Portal sondern meine persönliche Spielwiese ;D )

Mittlerweile bietet SonyBMG ein Tool zum Deinstallieren des Rootkits an — mit dem geschaffenen Imageschaden werden die aber wohl noch ne Weile zu kämpfen haben ;) .


1: ein netter Artikel in den heise foren nimmt das Ganze etwas auf die Schippe. Ebenfalls lesenswert ist die Definition des Begriffs Raubkopie von Fabian Keil.