Archiv für Mai, 2008

Upgrade auf Hardy Heron

Sonntag, 4. Mai 2008, eViL_oNe

Am 22-23.4 habe ich meine zwei Rechner auf Ubuntu 8.04 aktualisiert. Hier mal eine kleine Zusammenfassung der Erfahrungen, sowohl positiv wie auch negativ. Über die Plattform wurde schon an anderen Stellen ausgiebig berichtet, etwa hier. Ich möchte mich auf meine persönlichen Erlebnisse beschränken und nicht jede Neuerung nachplappern.

The good

man könnte sagen, dass Hardy Heron die Neuerungen, die mit Gutsy gekommen sind, stabilisiert hat. Die Desktop-Suche war vor Hardy etwa noch instabil. Immer wieder verabschiedete sich der Indexdienst trackerd unmotiviert. Die Suche hat dann entweder keine oder veraltete Ergebnisse angezeigt. Erst ein killall trackerd hat da temporär geholfen. Auch der 3d-Fenstermanager Compiz wurde etwas verfeinert. Von der Stabilität kann ich keine Änderungen zu Gutsy feststellen, da schon dort die Software absolut zuverlässig lief. Wer aber den compiz-config-settings-manager einsetzt, wird begrüßen, dass die Konfiguration jetzt weniger technisch ist. So wurden die Konfigurationsseiten für Shortcuts deutlich überarbeitet und sind jetzt intuitiver.

Compiz Konfiguration

die Compiz Konfiguration begrüßt den User wie gewohnt mit einer intuitiven wenn auch nur halb übersetzten Oberfläche. Einige neue Plugins sind dazugekommen, etwa 3D-Fenster.

Positiv ist auch, dass mit dem aktualisierten OpenOffice.org 2.4 sich dieses besser in den GNOME-Desktop integriert. In Gutsy schaute es noch eher nach einem Fremdkörper aus. Wer Lust auf Spieltrieb hat, kann openoffice.org-ogltrans installieren, 3D-Überblendeffekte für Impress. Vielleicht kann man dann damit bei einer Präsentation doch noch punkten, wenn schon der Inhalt nicht so toll ist ;) ;) ;) .

Ebenfalls eine Verbesserung stellt auch die neue Version des Webbrowsers Firefox 3 Beta dar. Die Software ist ebenfalls besser integriert, ein bißchen schneller und hat einige kleinere Verfeinerungen zu bieten, etwa einen schöneren Downloadmanager und bessere Historyfunktion in der Adressleiste.

Firefox Downloadmanager

Desweiteren sind einige neue Programme da, etwa die Brennsuite Brasero und der Torrent-Downloadmanager Transmission. Diese Programme konnte man natürlich auch schon in Gutsy installieren, nun kommen sie von Haus aus mit.

Äußerst positiv überrascht war ich dass jetzt auch auf meinem Mac mini supspend to ram korrekt funktioniert (Ubuntu nennt diesen Modus Bereitschaft). In Gutsy stürzte der Rechner beim Aufwachen 100% reproduzierbar ab. Subjektiv wirkt der Hardy-Desktop etwas flotter als Gutsy.

The bad

An einigen Stellen wirkt der Programmumfang noch etwas fragwürdig. So fehlt etwa ein Konfigurationstool für das neue Soundsystem PulseAudio. Damit kriegt der Benutzer eine Software, die er nicht vernünftig out of the box konfigurieren kann. Auch wird das Programm für die Verwaltung der “Gemeinsamen Ordner” nicht mehr standardmäßig eingebunden. Es lässt sich aber weiterhin manuell mit dem Kommando shares-admin aufrufen

The ugly

Leider sind nicht alle Neuerungen positiv. Ubuntu hat einige neue Systeme, die vielleicht noch nicht 100% konsolidiert sind, schon jetzt in die Distribution eingebunden, da Hardy eine Version ist, die immerhin 3 Jahre auf dem Desktop und 5 Jahre auf dem Server Support verspricht. Damit hat man der Aktualität vor der Stabilität ein kleines bißchen den Vorzug gelassen.

Es ist noch relativ leicht zu verschmerzen, dass Firefox 3 offenbar bei dem neuen Phishing Feature etwas exzessiv mit CPU und Festplatte umgeht. Auch konnte ich auf meinem Mac mini meine Apple Fernbedienung, die unter Gutsy vom Anfang an lief, erst mit einem kleinen Workaround wieder zum Laufen animieren.

Diese kleinen Regressionen sind aber noch relativ leicht zu verschmerzen. Wesentlich härter trifft der mit Hardy gekommene Umstieg auf PulseAudio Linux-Gamer. Im Internet häufen sich die Klagen, dass Hardy nicht auf Anhieb Sound SDL-basierten Spielen entlockt. Ich hatte diese Probleme auch und habe sie erst nach langer Recherche lösen können, indem ich ESD anstatt ALSA für SDL-Programme als Soundausgabe konfiguriert habe: Beschreibung meiner Lösung, da stehen auch einige andere Alternativen. Ich halte diese Regression schon für bedeutender, da damit der eine oder andere neue Anwender mit Fokus auf Spielen frustriert aufgibt.

Fazit

Alles in allem kann ich für Forgeschrittene das Upgrade in jedem Fall empfehlen! Anfänger sollten sich nicht von den aufgezählten Problemen einschüchtern lassen! Sofern man wirklich über so etwas stolpert, kann man dank der hervorragenden Community mit sehr wenig Aufwand eine Lösung des Problems finden. Es spricht schon für ein System, dass die meisten Schwächen binnen kürzester Zeit analysiert und umgangen — wenn nicht behoben — werden. Versucht mal so was mit MS Windows!

Vista Desktop

Samstag, 3. Mai 2008, eViL_oNe

sodele,

ich dachte, ich frische diese Seite mal ein bißchen auf.

Vista in Aktion

Vor einigen Wochen habe ich mein Windows XP als Zweitsystem durch Vista Business ersetzt. Von der Usability muss ich zugeben, dass es im Vergleich zu XP doch verbessert wurde. Die Oberfläche ist zwar ungewohnt, das soll allerdings kein Grund zum Punkteabzug sein, denn daran kann man sich ja gewöhnen. Leider ist Vista bei weitem nicht so intuitiv wie etwa mein Gnome-Desktop oder OSX. Die Frage der Intuitivität mag aber was Subjektives sein, ja.

Die Installation von Vista wurde erleichtert, ausserdem legt Vista jetzt nicht per Default Benutzeraccounts ohne Passwort an. Wie in anderen modernen Betriebssystemen wird der Standardbenutzer mit Administratorrechten versehen. Wo jedoch etwa OSX und Ubuntu für alle administrativen Aufgaben eine Passwortaufforderung einblenden, begnügt sich Vista mit Nagscreens. Das neue Feature wurde Benutzerkontenverwaltung getauft. Der erste Wunsch eines jeden Vista Users scheint es zu sein, dieses nervige Dingens, das bei jeder Gelegenheit nachfragt ob man sich wirklich ganz, ganz sicher ist, abzuschalten:

Google Suche nach Benutzerkontenverwaltung

Mit abgeschalteter Benutzerkontenverwaltung ist freilich Vista im Standardfall ungefähr genauso sicher wie XP, da nun jede beliebige Software mit Administratorrechten läuft und beliebigen Schabernack am Rechner anstellen darf. Es empfiehlt sich daher, dem Benutzer Administratorrechte zu nehmen und einen separaten root-Account anzulegen.

Positiv ist zu vermerken dass Vista im Gegensatz zu XP fast out of the box mit meiner Hardware umgehen kann. Wo man in XP noch Grafikkarte, Mainboard, Sound mühsam manuell installieren musste, erledigt Vista dies fast automatisch. Die Gerätedatenbank wurde deutlich erweitert, so dass die meiste Hardware sofort funktioniert. Für andere Fälle bietet Vista an, fehlende Treiber aus dem Internet automatisch nachzuinstallieren. Das war bei mir etwa bei Sound notwendig.

Moderne zentralisierte Softwareinstallationen und -updates ala apt oder emerge unterstützt Vista nicht. Das Microsoft-eigene Windows Update aktualisiert nur Microsoft-Software. Bei Fremdsoftware ist man darauf angewiesen, dass der Hersteller ein vernünftiges autoupdate implementiert hat. Einige Programme machen dies, etwa Firefox und Antivir, das Groß der Software unterstützt so etwas allerdings nicht. Schade eigentlich, schützen doch Autoupdates effektiv gegen Sicherheitslücken.

Das vorhandene Softwareangebot ist weiterhin recht spartanisch. Gefallen kann einem die neue Fotoverwaltung. Auch der Internet Explorer 7 hat ein bisschen zu Firefox aufgeschlossen. Ein Bürosoftwarepaket ist weiterhin nicht dabei — Microsoft will offenbar weiterhin Geld für sein MS Office verdienen ;) . Kenner greifen da lieber zu OpenOffice.org, was das gleiche kann und nichts kostet.

Negativ fällt auf, dass Vista mit Service Pack 1 c.a. 11 GB (Business Edition, x86-Variante) verbraucht. Die Swapdatei pagefile.sys und die Suspend-to-Disk-Datei hiberfil.sys nicht einberechnet!!! Da das Softwareangebot nicht besonders groß ist, darf gemunkelt werden, wofür MS soviel Platz verbraucht. Ich tippe auf DRM ;) . Für PCs mit wenig Festplattenspeicher scheidet Vista jedenfalls aus.

Anfangs hatte Vista bei mir Probleme, sich mit meinem Router vernünftig zu verbinden. Erst nach einer manuellen Änderung der IP-Adresse, DNS-Server, Standardgateway hatte ich Vista überredet ins Internet zu gehen. Nach dem Wiedereinstellen der automatischen Konfiguration ging es weiterhin. Da MS diese Konfigurationstools im Vergleich zu XP besser versteckt hat, könnten derartige Probleme Anfänger überfordern. Das Systemkommando ipconfig /renew war mir jedenfalls keine ausreichende Hilfe :(

Leider konnte ich Vista nicht auf einer schwächeren Plattform testen, da meine beiden Rechner doch zu neu sind. Viel RAM ist auf jedenfall Pflicht, Vista verbraucht schon locker nach dem Boot 500 MB. Mit 2 GB konnte ich allerdings keine Performanceunterschiede zu XP feststellen.

Microsoft hat anfangs Vista mit einem “Wow” beworben. Ein richtiger Wow-Effekt konnte sich bei mir allerdings nicht einstellen. Zum einen bieten die neuen 3D-Effekte des Vista-Fenstermanagers Aero zu wenig optisches Eyecandy im Vergleich zu Compiz, zum anderen sind auch nur wenige produktive Gimmicks eingebaut. OSX oder Linux mit Compiz bieten hier etwa ein Tool an, alle Fenster nebeneinander zu skalieren (Expo bzw Scale). Der Cube von Compiz dürfte ausserdem den einen oder anderen Vista-Jünger vor Neid erblassen lassen. Andererseits kann man mit Compiz sämtliche Aero-Effekte nachstellen. Gut gefallen hat mir hingegen die Vista-Sidebar. Schade nur, dass es nicht möglich zu sein scheint, deren Größe anzupassen. Auf meinem 22-Zoll TFT sieht sie jedenfalls zu klein aus, auch die in der Sidebar angedockten Widgets wirken zu klein.

Compiz mit 3d Cube unter Ubuntu

Compiz Scale

Alles in allem ist Vista ein solides System, das allerdings nicht an andere moderne Betriebssysteme wie Ubuntu oder OSX herankommt. Der Preis für eine Vista Lizenz erscheint mir wegen dem gebotenen zu hoch — v.a. weil man Ähnliches — wenn nicht Besseres — auch billiger bis umsonst bekommen kann.

Morgen folgt dann eine Zusammenfassung von Ubuntu 8.04 aka Hardy Heron!