Upgrade auf Hardy Heron
Am 22-23.4 habe ich meine zwei Rechner auf Ubuntu 8.04 aktualisiert. Hier mal eine kleine Zusammenfassung der Erfahrungen, sowohl positiv wie auch negativ. Über die Plattform wurde schon an anderen Stellen ausgiebig berichtet, etwa hier. Ich möchte mich auf meine persönlichen Erlebnisse beschränken und nicht jede Neuerung nachplappern.
The good
man könnte sagen, dass Hardy Heron die Neuerungen, die mit Gutsy gekommen sind, stabilisiert hat. Die Desktop-Suche war vor Hardy etwa noch instabil. Immer wieder verabschiedete sich der Indexdienst trackerd unmotiviert. Die Suche hat dann entweder keine oder veraltete Ergebnisse angezeigt. Erst ein killall trackerd hat da temporär geholfen. Auch der 3d-Fenstermanager Compiz wurde etwas verfeinert. Von der Stabilität kann ich keine Änderungen zu Gutsy feststellen, da schon dort die Software absolut zuverlässig lief. Wer aber den compiz-config-settings-manager einsetzt, wird begrüßen, dass die Konfiguration jetzt weniger technisch ist. So wurden die Konfigurationsseiten für Shortcuts deutlich überarbeitet und sind jetzt intuitiver.
die Compiz Konfiguration begrüßt den User wie gewohnt mit einer intuitiven wenn auch nur halb übersetzten Oberfläche. Einige neue Plugins sind dazugekommen, etwa 3D-Fenster.
Positiv ist auch, dass mit dem aktualisierten OpenOffice.org 2.4 sich dieses besser in den GNOME-Desktop integriert. In Gutsy schaute es noch eher nach einem Fremdkörper aus. Wer Lust auf Spieltrieb hat, kann openoffice.org-ogltrans installieren, 3D-Überblendeffekte für Impress. Vielleicht kann man dann damit bei einer Präsentation doch noch punkten, wenn schon der Inhalt nicht so toll ist
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Ebenfalls eine Verbesserung stellt auch die neue Version des Webbrowsers Firefox 3 Beta dar. Die Software ist ebenfalls besser integriert, ein bißchen schneller und hat einige kleinere Verfeinerungen zu bieten, etwa einen schöneren Downloadmanager und bessere Historyfunktion in der Adressleiste.
Desweiteren sind einige neue Programme da, etwa die Brennsuite Brasero und der Torrent-Downloadmanager Transmission. Diese Programme konnte man natürlich auch schon in Gutsy installieren, nun kommen sie von Haus aus mit.
Äußerst positiv überrascht war ich dass jetzt auch auf meinem Mac mini supspend to ram korrekt funktioniert (Ubuntu nennt diesen Modus Bereitschaft). In Gutsy stürzte der Rechner beim Aufwachen 100% reproduzierbar ab. Subjektiv wirkt der Hardy-Desktop etwas flotter als Gutsy.
The bad
An einigen Stellen wirkt der Programmumfang noch etwas fragwürdig. So fehlt etwa ein Konfigurationstool für das neue Soundsystem PulseAudio. Damit kriegt der Benutzer eine Software, die er nicht vernünftig out of the box konfigurieren kann. Auch wird das Programm für die Verwaltung der “Gemeinsamen Ordner” nicht mehr standardmäßig eingebunden. Es lässt sich aber weiterhin manuell mit dem Kommando shares-admin aufrufen
The ugly
Leider sind nicht alle Neuerungen positiv. Ubuntu hat einige neue Systeme, die vielleicht noch nicht 100% konsolidiert sind, schon jetzt in die Distribution eingebunden, da Hardy eine Version ist, die immerhin 3 Jahre auf dem Desktop und 5 Jahre auf dem Server Support verspricht. Damit hat man der Aktualität vor der Stabilität ein kleines bißchen den Vorzug gelassen.
Es ist noch relativ leicht zu verschmerzen, dass Firefox 3 offenbar bei dem neuen Phishing Feature etwas exzessiv mit CPU und Festplatte umgeht. Auch konnte ich auf meinem Mac mini meine Apple Fernbedienung, die unter Gutsy vom Anfang an lief, erst mit einem kleinen Workaround wieder zum Laufen animieren.
Diese kleinen Regressionen sind aber noch relativ leicht zu verschmerzen. Wesentlich härter trifft der mit Hardy gekommene Umstieg auf PulseAudio Linux-Gamer. Im Internet häufen sich die Klagen, dass Hardy nicht auf Anhieb Sound SDL-basierten Spielen entlockt. Ich hatte diese Probleme auch und habe sie erst nach langer Recherche lösen können, indem ich ESD anstatt ALSA für SDL-Programme als Soundausgabe konfiguriert habe: Beschreibung meiner Lösung, da stehen auch einige andere Alternativen. Ich halte diese Regression schon für bedeutender, da damit der eine oder andere neue Anwender mit Fokus auf Spielen frustriert aufgibt.
Fazit
Alles in allem kann ich für Forgeschrittene das Upgrade in jedem Fall empfehlen! Anfänger sollten sich nicht von den aufgezählten Problemen einschüchtern lassen! Sofern man wirklich über so etwas stolpert, kann man dank der hervorragenden Community mit sehr wenig Aufwand eine Lösung des Problems finden. Es spricht schon für ein System, dass die meisten Schwächen binnen kürzester Zeit analysiert und umgangen — wenn nicht behoben — werden. Versucht mal so was mit MS Windows!


