Warum Open Source überlegen ist

An dieser Stelle möchte ich kurz zusammenfassen, weshalb meiner Ansicht nach über kurz oder lang Closed Source Software (CSS) für Standardsoftware den kürzeren ziehen wird. Dieser Beitrag soll weder bestimmte Firmen noch das Modell CSS verteufeln (nicht zuletzt arbeite ich auch an einer CSS für Steuerberater). Ich meine allerdings, dass das Modell Open Source Software (OSS) für den Massenmarkt Vorteile bietet und deswegen langfristig gewinnen wird.

Open Source ist auch kostenlos verfügbar

OSS kriegt man üblicherweise kostenlos im Internet. Das ist für Privatanwender ein unschlagbares Argument, das auch über die eine oder andere Schwäche oder fehlendes Feature hinwegsehen lässt. Einschränkungen sind meist besser vertretbar als die Anschaffung von teuren CSS-Produkten! Was für reiche Anwender in Industrieländern gilt, gilt noch verstärkt für Entwicklungsländer. Hier ist OSS oft neben der Piraterie die einzige Alternative — und zudem die legale!

Für Firmen ist es auch von Belang, dass man keinen lizenzrechtlichen Overhead für die Nutzung solcher Software betreiben muss. Jeder Mitarbeiter kann sich die Software installieren ohne dass die Firma Lizenzprobleme befürchten muss. Problematisch wird es freilich beim Einbau von OSS in CSS-Programme. Hier sollte man sich am besten an die jeweilige Rechtsabteilung wenden, denn nicht immer sind die Lizenzmodelle kompatibel!

Einen Nachteil muss man bei dem Ganzen jedoch hinnehmen: umsonst ist nix, so kommt die Software ohne jegliche Garantie und ohne zugesichterten Support. Für sehr ambitionierte Anwender (meist im kommerziellen Bereich) existieren natürlich auch Zusatzangebote wie Supportverträge gegen Entgelt. Wenn man sich ausserdem die EULAs von Closed Source wirklich genau anschaut, dann weiss man auch, welche Garantieansprüche man prinzipiell hat — nämlich gar keine ;)

Open Source ist professionell

Vorbei sind die Zeiten, wo Open Source Produkte von fettleibigen Nerds in dunklen Kellern entwickelt wurden und wie Kraut und Rüben aussahen. Es existieren Design-Guidelines wie die von GNOME oder KDE für professionell normierte Oberflächen. Projektmanagement, PLanung, QS, Bugtracking sind selbstverständlich, feste Releasezyklen (etwa alle 6 Monate bei Ubuntu) schon lange keine Seltenheit — davon könnte sich auch die eine oder andere Closed Source Schmiede ein Stück abschneiden! Nicht umsonst nehmen auch große kommerzielle IT-Firmen wie HP, IBM, Novell, Apple, Sun und Konsorten einen wichtigen Platz in der OSS-Entwicklung ein.

Die meisten wichtigen OSS-Produkte haben auch schon seit geraumer Zeit die Kinderstube verlassen und können durchaus mit ihren Pendants aus der CSS-Welt mithalten. Sei es das Grafikprogramm GIMP, die Desktopoberfläche GNOME, die Entwicklungsumgebung Eclipse, der Musik Player Amarok, die Bürosuite OpenOffice.org, der PIM Evolution, die Datenbank PostgreSQL, der Browser Firefox: diese und viele weitere ausgewachsenenProgramme sind in den meisten Belangen ihren CSS Kollegen ebenbürtig, oft sogar überlegen!

Open Source ist engagierter

Ein typischer OSS-Entwickler ist jemand, der mit keinem Programm für einen bestimmten Arbeitsschritt so richtig zufrieden war und deswegen sein eigenes schrieb. Oder der Anwender, der über das Ausmerzen von Fehlern oder Support in einem OSS-Programm zum Mitentwickler wurde. “eat your own food” heißt hier das Motto, oft auch in CSS propagiert, aber selten so aktiv gelebt wie bei OSS. Natürlich gibt es auch andere Motivationen, an Open Source zu arbeiten — nicht wenige haben Open Source Entwicklung als Beruf. Ein wichtiger Grund bleibt aber der Wunsch nach Perfektionierung der Lieblingssoftware.

Open Source hat die meisten Entwicklungskapazitäten

Jeder Anwender von OSS ist ein potenzieller Entwickler. Auch wenn sicherlich nur die wenigsten Anwender über die Qualifikation verfügen mitzuentwickeln, so ist ein kleiner Prozentsatz dabei, der früher oder später in der Entwicklung landet — sei es beim Support, Qualitätssicherung, Konzeptionierung, Projektmanagement, Coding etc. Durch höhere Kapazitäten steigt auch der Qualitätsstandard, der damit noch mehr Anwender und potenzielle Entwickler anlockt. Ab einer gewissen kritischen Masse an Anwendern sozusagen ein perpetuum mobile.

Open Source ist sicher

Natürlich hat jede Software, die komplexer als ein “Hello World” ist, Schwachstellen. Während im CSS-Bereich aber viele Fehler aus unterschiedlichsten Gründen vertuscht und verharmlost werden, so ist dies bei OSS seltenst möglich. Jeder kann sich schließlich den Quellcode anschauen und mögliche Schwachstellen aufdecken. Viele Augen sehen mehr Fehler als wenige, so werden Fehler in OSS meist schneller entdeckt, analysiert und behoben. “Security by obscurity” ist in OSS unbekanntes Terrain!

Durch hoch qualitative OSS-Paketverwaltungen wie apt werden Updates zudem automatisch zugänglich gemacht, während sich so mancher CSS-Anwender mit manuellen Installationen von Bugfixes rumplagen darf. Auch ist mir kein OSS-Programm bekannt, bei dem es einen “Patch-Day” gibt: eine Unsitte die immer mehr CSS-Produzenten einführen. Je kritischer ein Fehler, desto schneller wird er auch behoben — statt aufgeschoben!

OSS lässt sich unter die Haube schauen. Trojaner, Malware, Rootkits, “nach Hause telefonieren” sind typischerweise Dinge, die CSS vorbehalten sind. OSS ist demnach vertrauenswürdiger als CSS-Programme. Letztere stellen schließlich normalerweise eine Black Box dar, von der man nie sicher sein kann, was sie denn wirklich macht.

Open Source hat Zukunft

Wie oft ist es schon vorgekommen, dass Unternehmen auf eine Software setzen, die dann eingestellt oder nur noch sehr schleppend weiterentwickelt wird? Bei OSS kann dies natürlich auch vorkommen. Allerdings ist hier die Chance größer, dass sich jemand anderes der Software annimmt und sie stattdessen pflegt. Ab einer gewissen kritischen Masse sterben OSS-Projekte auch nicht mehr, auch wenn viele Entwickler das Interesse verlieren: es ist immer jemand da, der weitermachen kann und will.

Ganze Firmen können sich darauf spezialisieren, gegen Entgelt bestimmte Anpassungen und Erweiterungen an OSS-Produkten vorzunehmen und dabei an der Wertschöpfungskette teilzuhaben. Knebelverträge mit dem Hersteller der Software wie oft bei CSS der Fall sind hier genauso wenig nötig wie teure Lizenzgebühren für die Einsichtsnahme und Nutzung von Schnittstellen. Arbeitsplätze werden durch OSS geschaffen statt behindert!

Man darf gespannt sein, wie sich OSS in den nächsten Jahren weiterentwickelt. In jedem Fall wird der Zeitpunkt kommen, wo eine CSS auf einem Standard-PC die Ausnahme und nicht die Regel darstellt — sicherlich früher, als so manch einer es sich vorstellt!

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